6. Von Bändern und Blumen

Es gibt Tage, die sind einfach von Glück und Freude durchdrungen. Man trifft unverhofft auf Menschen, die einen bereichern.

An einem Dienstag im Februar war für mich so ein Tag. Der hatte jedoch etwas Vorlauf… Auf meiner Suche nach Bändern, Goldstickerei-Zubehör und allerlei anderer Stoffdekorationsmaterialien für meinen Krönungsmantel, fand ich online das Passende. Schnell waren ein paar Probestücke bestellt und fast ebenso schnell geliefert. Anbei lag ein handschriftliches Post-it: „Sie können auch gern persönlich vorbeikommen.“ … Wie nett, dachte ich.

An jenem, oben erwähnten Dienstag im Februar, hatte ich Zeit dieser freundlichen Einladung Folge zu leisten. Ich betrat das Reich aus Bändern, Borten, Spitzen und Garnen. Die wirklich sympathische Herrin dieses Reiches lud mich sofort zum Stöbern ein „Schauen Sie sich überall um, nehmen Sie heraus, öffnen Sie…ganz wie es Ihnen beliebt!“ Mit meinem mitgebrachten Stoffmuster auf der Schulter begann ich meine Abenteuerreise in diese überwältigende Wundergrotte der textilen Vielfalt. Ich stieß auch auf die unterschiedlichsten Arten von Bullions, die für Goldstickerei benötigt werden – kleine aufgedrehte Drahtröllchen in unterschiedlichen Farben und Ausführungen sowie auf Soutache in allen Farben und Stärken. Die Meisterin dieser Vielfalt und ich hatten sofort einen unstickbaren Draht zueinander. Wir plauderten, lachten und fachsimpelten…passt das Garn zur Soutache? Ja, bestimmt. Im Tageslicht: oh Gott…Nee…wieder ein Lacher. Nach über einer Stunde vergnüglichem Stöberns, machte ich mich mit meinen ersten Schätzen auf den Heimweg.

Meines Weges trollend, freudig ob dieser tollen Bekanntschaft, dachte ich wie immer über dies und das nach. Kurz mal die Gedanken verlassend stand ich plötzlich vor einem Blumenladen. Zur Überraschung: nicht ein langweiliger einheitsblumenmarkteinkaufsverkaufs Laden, nein: ein nach Farben sortiertes, mit wunderbaren Gebinden und Dekorationen bestücktes Blumenfachgeschäft blickte mir in die Augen! Wunderbar dachte ich. Da mein Liebster sich gerade etwas malade fühlte, hob ich dazu an, ihn mit einem Blumengruß zu ermuntern. Vom frischen Blumenduft empfangen, betrat ich die angenehmen Räumlichkeiten. Auch hier waren die Damen gleich sehr nett und extrem unaufdringlich. Nachdem ich allen Farben und Blumen sowie die Verkäuferinnen mit einem fröhlichen Lächeln begrüßt hatte, kam die Stunde der kompositorischen Zusammenstellung. Endlich eine Verkäuferin, die nicht nur verkaufen will, sondern mit Rat und Tat einem etwas ungewöhnlichen Kunden und seinen nicht ganz standardmäßigen Blumenkompositionen zur Seite steht. Da gerade einige Blumen aus Australien feilgeboten wurden und wir uns bald auf die große Suche nach den Wellensittich- und Zebrafinkenschwärmen Australiens machen wollen, wirbelten wir gemeinsam Eukalyptus, Wachsblumen, Känguruhpfötchen und – hoppla – dunkelglutigrote Freesien zu einem Aufmunterungsstrauß zusammen. Dabei Lachten wir viel, hielten Blumen hin und wieder weg, fragten uns, ob man die nomadisierenden Vogelschwärme wohl zu Gesicht bekommen würde und wünschten uns nach der Vollendung des Blumenreigens einen wunderbaren Tag. Erfrischt von so vielen netten und wunderbaren Menschen verließ ich den Stadtteil und begab mich unterirdisch auf die Reise nach Hause.

Der Blumenstrauß verfehlte nicht und die Bänder und Garne beglücken mich…

 

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