1. Der richtige Stoff macht sich bemerkbar

Schwiegermutter schickte sich an, ihren 70. Geburtstag zu feiern! Diese wunderbare Frau – ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass unser Verhältnis alles andere als schwiegermonsterhaft ist – lud uns auf ein Familienwochenende in die Lüneburger Heide ein. Was für ein toller Ort! Wer von Euch schon mal da war weiß was ich meine. Heidekrautteppiche, Wacholderbäume mit ihren schwarz-braunen würzigen Fruchtperlen, Heidschnucken und Laubmischwälder.

Wir stellten uns natürlich die Frage, was wir ihr Gutes tun könnten… „Wir krönen sie zur Heidekönigin!“ Überraschend und mitten in der Natur, die sowieso die beste Kulisse für solch eine Ehrung ist. Nach Ankunft dieser Idee in meinem Kopf, ging das Ernten weiterer zur praktischen Umsetzung los. Mein inneres Füllhorn überschüttete uns mit einer Fülle von Einfällen… Götter – Heidegötter – müssen her, um die Zeremonie glaubwürdig zu machen…Musik, um dem Ganzen tonalen Glanz zu verleihen…UND natürlich eine Krone! Aber Moment. Welchen Kopfumfang hat sie denn? Nicht, dass wir eine Krone anfertigen und sie rutscht ihr am Ende über den Kopf um den Hals und sie sieht aus wie eine Heidegiraffe mit lila Streckhals. Geht so nicht… „Eine Tiara! Ein Diadem!“ rief es aus dem Füllhorn. Primaidee! Sofort wurde der Heidediademmacherblumenladen kontaktiert und die Bestellung aufgegeben. Was damit geschah ist eine andere Geschichte…

„Wallende Gewänder in Heideviolett und Silberblau“ entfuhr es dem Horn. Sofort erschien in meinem Kopf das Bild einer Heidelandschaft, in dem aus dem scheinbaren Nichts zwei lebendig gewordene Heidegötter in wallenden Gewändern erschienen. Dazu eine ordentliche Portion Weichzeichner und Wind. Wind musste sein, damit die wallende Pracht der Gewänder gut zur Geltung kommt.

Nun ging es an die Umsetzung. Das Krönungselement war bestellt, fehlte also noch der Stoff für die Gewänder. Eine Welt voller Stoffe tat sich vor mir auf. Regale voll mit Ballen von edlem und nicht edlem Material. Die Suche begann…würden die Ballen des benötigten Stoffes zu leuchten beginnen, wenn ich vor Ihnen stehe? „Zuviel Fantasyfilme gesehen!“ dachte ich so bei mir – egal – wäre doch toll, wenn der Alltag auch mal was Mystisches bekommt. Schließlich geht es hier ja um „Göttergewänder!“.

Das Leuchten stellte sich jedoch so gar nicht ein. Hunderte von Stoffballen und Nichts dabei, was meiner Idee im Kopf entsprach. Entmutigt, aber mit einer Alternativen im Kopf wollte ich diese Welt schon verlassen, als auf einmal im hinteren Bereich eines Regals ein schwaches Leuchten wahrzunehmen war. Ich näherte mich langsam und musicalhaft begann der Ballen zu strahlen und königliche Musik und Chorgesang erhob sich aus dem doch recht nüchternen Metallregal. Dunkelviolett, samtig und edel lag er vor mir…

Mein inneres Füllhorn überschüttete mich sofort und unaufhaltsam mit einer Flut von Bildern für die Verwendung dieses Stoffes. Eine ganz besondere Bestimmung solle diesem zu Teil werden: Argus‘ Pfauenkrönungsmantel!